Work in progress: Reliquienbeutel

Man braucht ja Ziele. Eins davon kommt in Form eines Reliquienbeutels nach einem Vorbild aus dem Hildesheimer Reliquienschatz (Kat. Nr. XVII/1) daher. Die Datierung ist nach einer kürzlich veröffentlichten Dissertation nicht sehr eindeutig. Die einfache, aber wunderschöne Machart des Beutels erscheint zeitlos und kann wohl nur mutmaßlich auf einen jüngeren Zeitpunkt als die Datierung des Inhalts geschätzt werden. Ob seiner Schlichtheit stellt dieser Beutel auf jeden Fall ein schönes kleines Projekt dar, um sich der Thematik „mittelalterliche Heiligenverehrung“ langsam zu nähern. Zunächst steht hier das Anfertigen eines solchen Stücks in Annäherung an das Hildesheimer Original im Fokus.

Das Original ist aus einem festen, blaugrünen Seidenköper gefertigt. Das hochrechteckige Stück wurde quer zur Kette zugeschnitten und dann halbiert. Die so entstandenen kurzen Seiten wurden dann mit einem einfachen Überwendlingstich auf links zusammengenäht. Der Saum ist zweimal umgeschlagen und mit einem von außen sichtbaren Saumstich vernäht. Alle Nähte sind mit einem ungefärbten Leinenzwirn angefertigt. Das Zugband ist ein recht loser kräftig roter Seidenzwirn aus sechs Fäden. Das Original hat kein Futter, die Seide ist sehr stabil.

Kat. Nr. XVII/1, Hildesheimer Reliquienschatz

Unserer Interpretation fehlt noch das Zugband, welches einfach mittels Vorstich durch den Saum gezogen wird. Wir haben einen wunderschönen Rest eines sehr feinen Seidenköpers vom Faserhaus verwendet. Da dieser wirklich sehr dünn ist, haben wir uns die Freiheit genommen, den Beutel mit einem feinen, aber stabilen Bauernleinen zu füttern. Die offenbar beim Färben entstandenen Muster in der Seide unterstützen recht schön diese blau-grüne Optik, die das Original hat. Außerdem war es möglich, die Seide ebenfalls dem Original entsprechend quer zur Kette zuzuschneiden. Die Nähte sind ebenfalls ein einfacher Überwendling mit 6-8 Stichen pro cm wie beim Original sowie ein von außen sichtbarer Saumstich mit ungefärbtem Leinenzwirn.

Im originalen Beutel sind Fragmente einer hochmittelalterlichen Goldborte und Brettchenborte sowie zahlreiche in Leinen gewickelte Reliquienbündelchen erhalten geblieben. Das klingt doch nach einem konsequenten Folgeprojekt…

Literatur und Bildquelle zum Original:

Brandt, Michael; Schorta, Regula [Hrsg.]: Der Hochaltar des Hildesheimer Domes und sein Reliquienschatz, Band 2: Katalog und Quellen, Hildesheim 2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.