Matinée im Foyer – Warum fasziniert das Mittelalter?

Am heutigen wunderbar grauen Sonntagvormittag fuhr eine kleine Abordnung, damals noch der Gemeinheit, ins ca. 20 Minuten entfernte Hannover. Grund war eine Podiumsdiskussion zum Thema „Warum fasziniert das Mittelalter?“. Als Diskutanten wurden von der Region Hannover unter anderem Prof. Dr. Rothmann, Leiter des Historischen Seminars der Leibniz Universität Hannover und der in der Marktszene bekannte „Schwarze Schorsch“ eingeladen. Allein diese Kombination versprach einen, nunja, sagen wir mal „interessanten“ Ansatz.
Da wir zu viert lediglich das Publikum verstärkten, entschlossen wir uns, in unserer historisch angelehnten Kleidung aufzuschlagen. Tatsächlich kam es dann auch so, dass wir beinahe die einzigen in „Klamotte“ waren und wir von der Moderatorin zum Ende hin beinahe in die öffentliche Diskussion genötigt wurden. Allerdings muss man mit so etwas ja rechnen, wenn man wie ein Paradiesvogel erscheint.
Die diskutierten Fragen lassen sich beinahe in einem Satz zusammenfassen: Mittelaltermärkte bieten eine gewisse Romantik und Verklärung der „viel zu langen“ und undifferenziert dargestellten Epoche „Mittelalter“. Allerdings scheint es gemeinhin so, dass diese Marktromantik definitiv gewollt ist, sowohl von den Darstellern als auch von den Besuchern. Dies stellte allerdings nur die persönlichen Eindrücke der Diskutanten dar. Die Szeneaktiven im Publikum hatten bei den Gesprächsthemen mitunter die ein oder andere Gesichtsmuskelverkrampfung.
Denn leider kam das Thema der Geschichtsvermittlung viel zu kurz. Das musste dann auch aus unserer Gruppe heraus in der anschließenden offenen Diskussion angemerkt werden. Es gibt nicht wenige in der sogenannten „Szene“, die eben genau das fasziniert: Das Nachempfinden und Erhalten historischer Techniken. Die Erhaltung von immateriellem Kulturgut, die Weitergabe von Wissen. Eine angeregte kleine Fachdiskussion über das Wording in der Szene und die verschiedenen Ansätze über Vermittlung, Rollenspiel und Darstellung ließ sich damit anregen, die diese Veranstaltung für uns dann noch etwas wertvoller machte. Aktiv beteiligt waren hier ebenfalls die anwesenden Freunde von Scotelingo. Für uns Aktive war es also ein spannender kleiner Vormittag und wir hatten den Eindruck, dass sich auch die zahlreichen weiteren Besucher nicht gelangweilt haben.
Und wie das immer so ist, kommen die wirklich spannenden Gespräche erst nach dem eigentlichen Programm in Gang. Prof. Rothmann gab mehrfach sympathisch zu, ja „nur“ ein reiner Theoretiker zu sein, betonte aber gleichzeitig, dass das Wiedererleben nicht nur ein nettes Hobby sei, sondern der Geschichtswissenschaft insbesondere in der Interpretation von Quellen und Literatur zum Teil auch einen großen Dienst erweist.
Besonders schön war der Abschluss vom Schorsch, der uns A capella die Rabenballade vortrug. Insgesamt also eine schöne kleine Runde, die definitiv mit spezifischeren Themen ausgebaut werden könnte.

Achja, und es gab Kaffe, Kekse und eine Region-Hannover-Kaffeetasse zum Mitnehmen 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.